Gremlin Industries Teil 3 die Übernahme und ein wenig Sega Geschichte

In den letzten beiden Teilen haben wir einen Blick auf die frühe Geschichte von Gremlin geworfen und aufgehört, als sie kurz vor der Übernahme durch Sega standen. Bevor wir bei diesem Punkt weitermachen, schauen wir uns aber ein wenig die Sega Geschichte an. Ganz einfach, um einen gesamten geschichtlichen Überblick beider Firmen zu erhalten.
Sega ging ja aus der Firma Service Games und Rosen Enterprises hervor, aber hier einzutauchen wäre zu langwierig und paßt nicht ganz hierher. Eventuell schreibe ich dafür mal in einem extra Artikel darüber. Wer das nicht abwarten kann, dem empfehle ich das Buch Ultimate History of Video Games von Steven Kent. Dort steht die Entstehunggeschichte von Sega detailliert aufgearbeitet. Wir wollen uns hier aber auf die frühen Jahre von Sega konzentrieren, als sie versuchten im US Markt Fuß zu fassen.

In den späten 1960er Jahren dominierte Sega in der japanischen Coin-OP (Münzspiel) Industrie, während sie am US Markt nur langsam Fortschritte machten. Der größte Grund dafür dürfte in der damals verbreiteten Piraterie zu suchen sein. Sega exportierte in den Jahren 1966 bis 1970 eine größere Zahl an Spielen nach Amerika und war damit anfänglich recht erfolgreich. Aber der Erfolg währte nicht lange, denn schon kurz nach der Entwicklungszeit und Einführung des Spiels tauchten die ersten ähnlichen basierten Spiele auf, sogenannte Knock-offs. Midways S.A.M.I  z. B. war eigentlich das gleiche Spiel wie Segas Missile. Zusätzlich boten die Copycats die Spiele günstiger an, zumal sie ja auch die Transportkosten von Japan nach Amerika nicht zu tragen hatten und wie bereits erwähnt die Entwicklungskosten einsparten. Nebenbei waren die Bootlegs auch meist von minderer Qualität, was nochmals Kosten einsparte.

Nach der desaströsen Einführung von JET ROCKET, einem Flugsimulator, zog sich Sega komplett aus dem US Markt zurück. Gemäß David Rosen war aber das JET ROCKET Fiasco, wie er es nannte, nicht der primäre Grund dafür, sondern das in Japan florierende Amusement Casino Geschäft. Zudem konnte man sich alleine schon aus Zeitgründen nicht um den aus ihrer Sicht schwachen US Markt kümmern. Das sollte sich aber bald ändern…

Kurzer Exkurs zu David Rosen:

David Rosen ist übrigens auch einer der Schlüsselfiguren des Arcadebusiness, was weitgehend unbekannt ist. Nachdem er im Korea Krieg gedient hatte, war er in Fernost stationiert und probierte dort ins Kunstgeschäft einzusteigen. Viele arbeitslose Künstler porträtierten damals Motive von Fotos. Er gründete also eine Firma, die sich das zum Nutzen machte und sendete Fotos nach Japan, um sie dort porträtieren zu lassen. Als das Geschäft einbrach, entschied er sich, nach Japan zurückzukehren um den Bedarf der Leute genau zu studieren. Zu dieser Zeit brauchte man in Japan bereits überall Fotos für Ausweise. Also z.b für Schulausweise, Rationskarten für Reis, Bahnausweise und vieles mehr. Man muß sich vorstellen, daß in den frühen 50er Jahren Fotostudios eine Menge Geld dafür verlangten und es oft drei oder vier Tage dauerte, bis man das Foto bekam. Er wußte, daß es in Amerika bereits Fotokabinen gab, in denen man vier Fotos für bereits ein paar Cent bekam.

Diese Fotos hatten aber einen Nachteil: Nach ein oder zwei Jahren verblaßten die Fotos und waren damit für Ausweise unbrauchbar. Eine Haltbarkeit von 4 oder 5 Jahren waren aber Voraussetzung, den japanischen Markt zu bedienen. Er bekam schnell heraus, daß die Kameras in den Fotokabinen ohne Negative arbeiteten. Eine automatische Kamera schoß das Foto und belichtete darauf ein Positivpapier. Wurde bei diesem Prozeß auf die richtige Temperatur geachtet, waren die Fotos länger haltbar. Die damaligen Fotokabinen hatten aber keine Temperaturkontrolle, denn die Hersteller waren nicht an einer langen Lebensdauer interessiert, schließlich dienten die Fotos nur zum Spaß. Eine Temperaturkontrolle war aber damals einfach zu teuer, und so kam er auf eine einfache, wie auch geniale Idee.

Arbeitskräfte waren nach den Kriegsjahren ja günstig zu haben, und so beließ er die Fotokamera in den Kabinen, platzierte aber dahinter einen Arbeiter, der die Fotos händisch entwickelte. Also kaufte er ein paar alte Fotokabinen, rüstete sie um und schickte diese nach Japan. Innerhalb kürzester Zeit eröffnete er über hundert solcher Kabinen an den verschiedensten Plätzen. Zu manchen Jahreszeiten, gerade wenn viele Schulausweise ausgestellt wurden, war es nicht unüblich, daß man sich bis zu eineinhalb Stunden anstellen mußte, um ein Foto zu bekommen.

Dieses Business wurde so erfolgreich, daß sich japanische Fotografen genötigt sahen, eine Protestnote ans amerikanische Konsulat zu schicken. Als das Konsulat Rosen um Hilfe bat, bot er ihnen an, die Fotokabinen als Franchise-Unternehmen an andere zu lizenzieren. Laut Rosen war dies auch das erste Franchise Business überhaupt in Japan. Das Franchising brachte anfänglich erkleckliche Einnahmen, rief aber ebenso schnell die Konkurrenz auf den Plan. Obendrein mußte man für jedes importierte Gerät, egal ob man selber Japaner war oder nicht, eine Lizenz vom japanischen Ministerium einholen. Da er auch kein Patent darauf besaß, brachen die Einnahmen schnell ein und er stieg aus diesem Geschäft aus.