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  • Inside Arcade – Come to the dark side – we have bootlegs!

    Posted on by zyx

    Im Zuge meiner Recherchen sto√üe ich immer wieder auf interessante Leute im Arcade- oder Pinballbereich. In dem heutigen Artikel wollen wir einmal auf die andere Seite der Spiele Industrie blicken und zwar auf die „Sicherheitskopieindustrie“ ūüėČ

     

    Come to the dark side, we have bootlegs!

    Vorwort Arcadiabay:

    Die ersten Bootlegs kamen aus Japan, wurden dann aber sehr schnell hier in Deutschland und nachgebaut, zB Galaxian von Universal Video Games bei Frankfurt. Als die Platinen dann komplexer wurden, kamen sie nur noch aus Japan, danach aus Korea, und ( aber weniger ) aus Taiwan, Italien und Spanien. Viele japanische Hersteller haben als Bootlegger angefangen, zB Seibu .. Wir haben auch mal eine Zeit Boards selbst hergestellt ( Wonderboy und Monsterland ), allerdings lohnte sich das nicht wirklich, viel Arbeit und wenig Brot.

    Importiert wurden die Boards von verschiedenen Gro√üh√§ndler ( zB Arcadiabay, damals als MSG =¬†M√ľnzautomaten¬†Service¬†Gr√∂ger ), oder TV Tuning in Hamburg, G&F in Mainz etc, aber auch die lizensierten H√§ndler wie die Nova dealten unter der Hand mit Bootlegs. Die nationalen Vertriebswege waren problemlos, es gab eingentlich keine Sanktionen der Hersteller in Europa, die Bootlegs wurden offiziell beworben und verkauft – das waren noch Zeiten

    Streetfighter 2 z.B. kostete als Original stolze 2000 DM ( + MwSt ) , die Bootlegs fingen mit 1000 DM an und gingen dann im Laufe der Zeit auf 3-400 DM runter, das war bei Bootlegs allgemein so √ľblich; erst kamen eine guten Kopie ( oft aus Japan ), dann wurde das Spiel billiger und billiger, immer auch auf Kosten der Qualit√§t. Meistens kamen die ganz billigen Bootlegs dann aus irgendwelchen Kellerwerkst√§tten in Korea, vollgepropft mit √ľblen GS/Goldstar TTL IC’s und unterirdischer Leiterplatten-Qualit√§ten. Aber bei dem Preisunterschied war’s den Aufstellern egal …

    Anders sah es in den USA aus, da griffen die Gesetze besser und es gab fast nur Originale auf dem Markt. Heute r√§cht sich der Fluch der b√∂sen Taten von fr√ľher : wann immer man hier einen Automatenaufsteller leerr√§umt, hatte man fast nur Bootlegs zwischen den Fingern, und in den Staaten sitzt man auf den sch√∂nen Originalen …

     

    Inside Arcade:

    Ich hatte die nicht alltägliche Möglichkeit ein paar Fragen an einen Insider zu stellen und hab sogleich die Gelegenheit genutzt ein paar Dinge aus dem Nähkästchen zu entlocken, die man sonst vielleicht so nicht immer erfährt:

    A: Hallo, zuerst mal vielen Dank das du dir die Zeit nimmst und uns Einblicke in dein damaliges Leben gibst. Du hast ja eigentlich den Arcade Geek Traum gelebt und konntest in dem Bereich Fuss fassen, auf recht „unkonventionelle“ Art, wie wir gleich lesen¬†werden ūüėȬ†Kannst du uns etwas √ľber die damalige √∂sterreichische Arcade Szene erz√§hlen? Gab ja einige Hersteller von Cabs und Spielen¬†im Raum Ober√∂sterreich und Wien.

    B: Ich wei√ü nicht was die „Szene“ in √Ėsterreich gemacht hat, eigentlich¬†gab es gar keine Szene. Jede kleine Bude hat im Kleinen dies und das gemacht.¬†Und nach au√üen hie√ü¬†es „Schnauze halten“ Bin auch erst etwas sp√§ter dazu gekommen.. Die Arcade Hersteller in Ober√∂sterreich¬†hatte ich nie kennengelernt.¬†Auch nicht gewusst das Ober√∂sterreich das Mekka der Aufsteller war.

    A: Wie kams zu deinem Werdegang?

    B: Viele in den 80ern lernten damals BASIC und programmierten¬†in der Freizeit dies und das …¬†Manches war ganz gut und wurde in Zeitschriften ver√∂ffentlicht f√ľr 500 DM und so. Das wollte ich auch …

     

    10 PRINT „HELLO WORLD“
    20 GOTO 10

    A: Jaaa, da werden Erinnerungen wach! Die ersten Sprites am C64er √ľber den Bildschirm wandern lassen, mit Sound experimentieren und die Hoffnung bald als Spieleprogger ber√ľhmt zu werden :p

    B: Einige Wenige lernten damals sogar Maschinensprache (ASSEMBLER), dies war aber recht m√ľhsam zu programmieren, griff es doch¬†direkt in die Hardware ein. Das hatte¬†aber einen unschlagbaren Vorteil:¬†Der Code war sauschnell – 200x schneller z.B beim C64 Homecomputer.

    A: JMP, LDA, und SYS l√§sst gr√ľ√üen. Selig der diese Sprache spricht ūüėČ ¬†Seitenlange Basic Listings abtippen und dann hoffen das man keinen Tippfehler gemacht hat, oder schlimmer – im Listing selbst war ein Tippfehler. Dann hie√ü es warten auf das n√§chste Heft. ¬†Stichwort Fehlerteufel!

    ;Hello World 6502 CPU (C64)

    LDY #$00 ;init loop counter
    L0
    LDA L1,Y ;load a byte of the text
    BEQ L2 ;if zero -> end
    JSR $FFD2 ;call CHROUT
    INY ;inc loop counter
    JMP L0 ;thanks to paul nicholls
    L1
    .byte „hello world“,0
    L2
    RTS

     

    B: Ja, diese Homecomputer waren sozusagen Einstiegsdroge ūüėȬ†Auch ich programmierte damals ein aus heutiger Sicht bescheuertes Spiel, aber f√ľr 13. Jahre war das schon cool. Anfangs in¬†Basic und wie bereits erw√§hnt auch in Assembler.¬†Sp√§ter habe ich dann nur mehr Assembler gecoded und¬†wie 1000 andere Jugendliche gedacht: „Ich mach mal eine Spielebude auf“. Aber dazu brauchte es Grafiker und Musiker, weil das hatte¬†ich nicht drauf…¬†Da Gleichgesinnte, ohne Internet, schwer zu finden waren, klapperte ich die Computerclubs ab und fand auch tats√§chlich einige Begeisterte. Aber es¬†war nicht einfach die Leute bei der Stange¬†zu halten, ¬†vor allem wenn nicht der entsprechende monet√§re Hintergrund vorhanden ist. So endete das ganze im Chaos..

    A: Der C64 war auf jeden Fall ein Spungbrett f√ľr viele Karrieren: Egal ob Soft- und Hardware, Musik oder Grafik Artist. Auch mich zog das Ger√§t √ľber Jahre magisch an.

    B: Apropos C64er  РDamals waren alle platt als ich ein neues Steckmodul am C64 bekam und am nächsten Morgen eine Diskettenversion davon in die Schule mitnahm.. Dabei hatte ich einfach nur die EProm Leitung mit einem Schalter versehen, sodass eingesteckte Steckmodule nicht mehr booten und ich den Speicherinhalt mit einem Maschinenmonitorprogramm einfach aus dem Speicher auf Disk geschrieben habe. Dann einen Basic Loader darum gebaut, Intro und Laufschrift dazugehängt und alles mit dem Cruncher komprimiert.

    A:¬†Jup davon bekamen manche Spieler einen Epi Anfall ūüėČ

    B: Schwierig waren Bankswitchspiele, wo du Teile des Codes in andere Speicherbereiche verschieben musstest um alle Sprungmarken im Code zu adressieren.. Fies war ebenfalls ein Kopierschutz der das Modul in seinen eigenen Bereich schreiben lässt und danach ausliest, am Original passiert da nichts weil der ROM Bytecode ja im ROM ist und sich nicht ändert.
    Eine Kopie im RAM aber wird ver√§ndert und das Spiel st√ľrzt sp√§ter genau an dieser Stelle ab. Also diese Speicherschreibkommandos mussten raus, habe sie dann ganz einfach zu Lesezugriffen umfunktioniert….

    A: Der CeVi war schon wirklich cool, wie viel Karrieren damit begonnen haben. Was hast du dann gemacht?

    B: Im bekanntesten Elektronikladen der Stadt konnte man damals viele interessante Leute kennen lernen, also hab ich dort einfach¬†als Verk√§ufer angeheuert, anstatt eine Lehre zu machen. Andererseits gab es ein Hilfsarbeitergehalt, was nat√ľrlich super war, weil ich 3x soviel verdient habe, als in der Lehre ūüėČ Dort kamen regelm√§√üig Leute vorbei, die gro√üe Platinen unter dem Arm trugen..¬†Frech wie ich war, motzte ich herum das das auch nichts besonderes war¬†als ein kleiner Einplatinenrechner mit viel diskreter Elektronik..¬†Die sagten: „Kleiner du hast keine Ahnung“ – Ja stimmt – Die hatte ich ja wirklich nicht. Was mich aber nicht davon abhielt in die Materie einzutauchen. Schlie√ülich interessierten mich das nicht nur technisch, es schien sich auch Geld damit verdienen zu lassen

    A: Die Platinen waren ja auch nicht billig, wie man aus der nachfolgenden Liste entnehmen kann:

    B: Ja, die Platinen waren extrem teuer.¬†Wenn was kaputt ging, war Feuer am Dach – Nicht selten¬†setze sich ein Aufsteller fr√ľh morgens in den Flieger nach Holland, um beim Distributor seine PCB’s reparieren zu lassen und¬†war dann abends 18:00 Uhr wieder in der Spielhalle zur√ľck.¬†Denn jeder Tag Ausfall eines guten Spiels hie√ü keine Einnahmen und das wollte keiner.¬†

    A: Hehe, ja das hat der Spieler am Automaten nat√ľrlich alles nicht mitbekommen. Da √§rgerte man sich h√∂chstens einen ab, wenn der Automat den Geist aufgab und hoffte das das Ding bald jemand reparieren w√ľrde.

    B: Keine Ahnung woher die alten M√§nner die Platinen hatten,¬†sie sind damit zu einem Mitarbeiter gegangen und plauderten dann¬†locker 1-2 Stunden hinter verschlossenen T√ľren.. Das bekam ich nat√ľrlich mit. Eines Tages fragte mich ein Kunde, ob ich nicht seinen Automaten¬†reparieren k√∂nnte… Eigentlich war es eine √Ąnderung in der Software die den Kunden¬†ver√§rgerte. Ich sagte ihm was ich alles brauchte. Er gab mir darauf das Geld und ich besorgte die n√∂tige Hardware. F√ľr die √Ąnderung musste ich nebenbei mal eben schnell Z80 Assembler lernen, was aber nicht so schlimm¬†war, denn ich kannte Assembler f√ľr 6502 Prozessoren.¬†Abends nach Schluss setzte ich mich in die Technik und hatte mir¬†aus dem Lager einen Z80 Computer geholt. Ein Kollege hat mir¬†einen Disassembler gegeben und so konnte ich den Code auslesen ūüėČ Dann wurde einfach der Programmschleifen Befehl abge√§ndert und geschaut was im Automat passiert. So hatte ich recht schnell gefunden, wo ich die Sachen anpassen musste, damit sich der Automat so verh√§lt wie es der Kunde w√ľnschte.

    A: Arcade Reverse Engineering sozusagen. Das impliziert meist viel zus√§tzliche Hard und Software die man daf√ľr braucht.

    B: Genau, wir haben uns dann kurzerhand einen Epromemulator besorgt den man damals noch selbst zusammenbauen¬†musste und haben diesen dann mit einem IBM Clone unter DOS verbunden.¬†Per Hand hatten wir die Daten von einem Computer zum anderen¬†√ľbertragen und in den Emulator geladen. Die 51/4 Zoll Disketten waren damals nicht kompatibel. Der Kunde war nat√ľrlich begeistert, zahlte gleich noch mehr Geld f√ľr die Programmchips. Ich war nat√ľrlich ebenfalls begeistert, wie man sich denken kann. Sp√§ter er√∂ffnete er mir,¬†dass er eine Halle voller Automaten aus den USA aufgekauft¬†hatte, die alle dieses Problem aufwiesen¬†und f√ľr den Markt so nicht¬†verkaufbar waren ohne meine √Ąnderung.

    A: Das erfreut das Hacker Herz und nat√ľrlich auch den Geldbeutel eines Enthusiasten ^^

    B: Eines Tages, als ich mal nicht im Laden¬†war, fragte der Kunde wo denn der Programmierer sei. Die Mitarbeiter wussten ja nicht bescheid und sagten nur: „Sorry aber wir haben hier keinen Programmierer“. Da d√ľrften beide Seiten etwas verdutzt gewesen sein ūüėȬ†Ein anderes Mal¬†kam ein Techniker zu mir und fragte an, ob ich im¬†helfen k√∂nne, ein Spiel zu reparieren, welches nicht so gut¬†lief und immer an einer Stelle einfrierte. Er h√§tte das¬†Spiel von einer Bude bekommen und die haben viel Geld¬†daf√ľr bezahlt, aber deren Entwickler hatte angeblich gek√ľndigt. Keine Firmenlogos, nur eine Nummer auf der¬†Platine. Also haben wir einen Hardwaredebugger ausgeliehen. Die Vertriebsmenschen kamen ja regelm√§√üig vorbei und¬†wollten uns damals ihren Schrott verkaufen. Die fehlerhafte Stelle war nach einer Woche gefunden.¬†Das Programm fragte immer wieder mal einen Chip nach¬†einer Zahlensequenz. Diese Anfrage √ľberbr√ľckte ich¬†und mein Kollege war √ľbergl√ľcklich. Nun funktionierte¬†das Spiel einwandfrei.

    Wohin die Platine wanderte wusste niemand so genau, aber¬†es gab wieder viel Geld f√ľr mich – Mir wurde sp√§ter einmal gesagt das einige davon nach Italien zu Aufstellern ging, mit¬†einem Teil meines Programmes – Stolz macht¬†sich breit :-))¬†Irgendwie war es eine tolle Zeit. Das Geld¬†lag auf der Strasse…

    A: Pionier Zeit – War ja bei den Homecomputer nicht anders..

    B: Genau, was man aber nicht vergessen darf: Der Zeitaufwand war auch nicht ohne… Also wenn ich abends um 23:00 heimkam war das normal f√ľr mich. Wenn man jung ist und genug Kick im Job bekommt, kommt man mit wenig Stunden Schlaf aus¬†und eine Freundin w√ľrde eh nur nerven und wertvolle Zeit klauen. Die Familie bekam mich auch kaum zu Gesicht, weil ich nur mehr vorm Computer sa√ü. Wir lebten damals f√ľr diese Arbeit, war es doch ein High Tech Job aus unserer Sicht. Wir f√ľhlten uns als Elite , Cracker, dagegen war das Cracken von C64 Spielen Kinderkram.

    A: Das kann ich mir gut vorstellen. Aber es braucht schon viel Enthusiasmus und Kreativit√§t und eine geh√∂rige Portion Idealismus dazu. Sonst w√ľrde man die vielen N√§chte mit noch mehr Kaffee ganz einfach nicht durchhalten. Aber ist man erst einmal gefangen, ist es schwer wieder davon loszukommen, vor allem wenn’s daneben auch noch anst√§ndig Kohle daf√ľr gab ūüėČ

    B: Ja, das machte sich wirklich bezahlt, denn bald darauf konnten wir uns einen Debugger leisten, einen richtigen¬†Emulator und einen besseren PC, nebst anderen n√ľtzlichen Dingen. Mein Chef meinte damals nur ich sollte nichts nebenbei¬†machen und mich lieber auf den Verkauf konzentrieren.¬†Der hatte echt keine Ahnung was bei uns Abends abging ūüėÄ War wohl auch besser so ^^

    Die Berufsausbildung musste dann warten, das Studium ebenfalls – erst mal anst√§ndig Geld verdienen, man wollte sich¬†ja etwas aufbauen in der Jugend. Immer wieder kam der Techniker mit fehlerhaften¬†Platinen zu mir und wir √§nderten Grafiksprites¬†oder Zeichens√§tze oder Texte die im Spiel angezeigt¬†werden sollen – immer gab’s zus√§tzlich was zu verdienen.

    A: So wurde wohl aus einem Einstiegsjob bald ein einträgliches Gewerbe, wie ich sehe. Sozusagen The Austrian Arcade Dream.

    B: K√∂nnte man so sagen, ja ūüėČ Einmal nahm mich ein Kunde am Wochenende in sein Haus mit¬†und zeigte mir seine Platinen, die sein Techniker noch¬†mit der Hand auf Folien zeichnete.¬†Die wurden dann in einem Labor belichtet und als Platinen¬†hergestellt und er fragte ob ich nicht Zeit h√§tte zu helfen. Ich nahm dankend an wie ihr euch denken k√∂nnt.. Damals wie heute wurden die Fehler in den Layouts mit Drahtbr√ľcken ausgebessert. Wer das selber schon gemacht hat, wei√ü welche Arbeit da dahinterstecken kann.

    A: Da kann man nur zustimmen, Platinenflicken kann nerv und zeitraubend sein! Damals wie heute ūüėÄ Wenigstens das hat sich nicht ge√§ndert ūüėõ

    B: Regelm√§√üig kam der neue Chef mit irgendeiner Platine an und meinte¬†er braucht da eine „Demoversion“. Die Fertigung war eine m√ľhsame Angelegenheit, aber dann kam per Zufall eine Diskettenbox in meine H√§nde, mit einem PC CAD Programm unter DOS. Nun konnten wir die Platinen direkt am PC layouten… Ich sollte mich¬†in das Programm einarbeiten und nach einiger Zeit hatten wir die erste CAD Platine fertig. Ich hatte zum Gl√ľck den Job im Verkauf nicht¬†mehr n√∂tig und wechselte zum Kunden der auch gleich viel mehr zahlte.

    Die Platinen-Layouts der BL haben wir √§hnlich der original Platine gezeichnet und anstatt irgendwelchen Mask ROMs, waren bei uns programmierbare Eproms drauf. Wenn’s mal wirklich nicht anders ging den Code zu patchen, weil kein Platz im ROM oder der Game Code zu langsam wurde , haben die¬†Kollegen den Programmcode mal eben flugs auf einen¬†Einplatinen Z80 oder 68000 Computer geladen und dort debugged, ¬†ein anderer baute am Videologic Interface und brachte den zum laufen. Wir f√§delten uns den Arsch ab auf den Lochrasterplatinen bis¬†erste Bilder des Spiels auf unserer Protoboard Platine liefen.¬†Ein anderer baute den Audioteil nach und wieder ein Anderer, wenn ich mich recht entsinne ein Ingenieur, bastelte¬†Code, um die Funktion der Customchips nachzubilden, wenn ich es nicht schaffte¬†das direkt am Prozessor als Zusatzprogramm in den Speicher zu dr√ľcken. Jedes kleine Detail haben wir nicht gemacht, nur relevantes eben…

    Lief das Spiel auf der Kiste, wurde schnell eine Platine layoutet und¬†einem Aufsteller pr√§sentiert – Verkauft und in Massen nachproduziert irgendwo¬†in Asien wahrscheinlich … kein Ahnung, aber ab und an hats die Spiele dann auch bei uns in der Spielhalle gegeben…. Tag und Nacht haben wir gebastelt, gespielt und geforscht… War ne wirklich interessante und sch√∂ne Zeit, die ich nicht missen m√∂chte.

    A: Woow, ja es war damals einfach Pionier Zeit. Kann man heute vielleicht gar nicht mehr so nachvollziehen, aber die aufkommende Heimcomputer und Arcade Zeit war schon was besonderes!

    Gabs beim bootleggen nicht auch viele Timing Probleme?

    B: Ehrlich gesagt¬†waren wir echt froh, wenn die Games mehrere Levels lang nicht eingefroren sind ūüėÄ Da wir st√§ndig unter Zeitdruck arbeiteten, haben wir auch nicht sehr viel ins Timing investiert.¬†Das schwierigste waren die Video <-RAM-> CPU Zugriffe, die mussten echt transparent sein. Also zum Beispiel die Videohardware, die nach einem CPU Lesezugriff gleich einen Video / Sprite Ram Zugriff macht, w√§hrend die z80 noch mit decodieren oder √§hnlichem besch√§ftigt war.

    A: ¬†Wie gestaltete es sich mit dem Umgehen div. Sicherheitsma√ünahmen? Sicher eine der schwierigsten Aufgaben in dem Bereich…

    B: Herausforderungen sind dazu da um sie zu meistern ūüėČ Die Sicherheitschecks wurden meist einfach aus dem Original ROM entfernt.¬†Am Einfachsten erkl√§rt bei Pacman. Dort wird beispielsweise ein Interrupt Programmteil im ROM hinterlegt, welcher von Prozessor¬†nicht angesprungen wird,¬†da¬†eine externe HW den Vector verbiegt und auf eine andere Adresse im ROM zeigt. W√ľrdest du die externe Logik nicht verstehen und das Programm auf einem normalen¬†z80 Computer laufen lassen, crashed das in einer Endlosschleife – bis der Watchdog, wenn √ľberhaupt einer vorhanden, den Computer im Sekundentakt resettet.

     

    A: Da braucht’s schon einen tieferen technischen Blick, gew√ľrzt mit technischem Einf√ľhlungsverm√∂gen ūüėČ Klingt nach einer sehr zeitintensiven Arbeit…

    B: Also sowas zu finden dauerte schon, trotz Hardwaredebugger. Die externe Logik haben wir dann einfach eliminiert und den ROM so ge√§ndert das es das Richtige macht. Die erw√§hnte Pacman Bootleg Platine war aber vor meinem Gastspiel bei der Firma¬†…

    Ich m√∂chte noch anf√ľgen, das das alles so einfach klingt. Aber ohne Zusammenspiel von mehreren Gehirnen w√§r das eine Sisyphus Aufgabe. Mehrere Leute schaffen da einfach mehr. Weiter kosteten die ben√∂tigten¬†Ger√§te, wie bereits erw√§hnt, anst√§ndig Asche. Denkt man alleine an einen Eprom Brenner, der damals nur eine bestimmte Anzahl an Typen brennen konnte. Und f√ľr neuere Eprom Generationen brauchte es wieder neue Brenner. Bauteile waren weniger das Problem, hatten wir doch im Lager stangenweise¬†Eproms, Proms, Rams in allen m√∂glichen Formaten, L√∂schlampen und und und. Nebst Homecomputer und sogar einen PC XT der ebenfalls mehrere Geh√§lter kostete. Nichts f√ľr einen jungen Sch√ľler wenn er das alleine „verdienen“ m√ľsste.¬†Aber die √∂sterreichischen Aufsteller hatten Kohle ohne Ende, zumindest eine Handvoll, und die investierten eben in schlaue Leute – und schnelle Autos ;-))

    A: Das kann ich mir vorstellen, life on the fast lane. 

    B: Genau, statt Softwarespiele f√ľr Homecomputer zu machen war ich also in der Hardwareentwicklung¬†gelandet. Aber egal. War eh viel interessanter ūüôā Damals wollte ich unbedingt zu Commodore AG wechseln, aber ich hatte keinen Abschluss.¬†Sp√§ter als Commodore dann pleite war, weil sie lieber PCs nachbauten, als sich um den AMIGA¬†zu k√ľmmern oder eine gscheite Konsole zu bauen, war ich dann froh doch nicht zu CBM gewechselt zu haben ūüėČ

    A:¬†Der Traum eines jeden heranwachsenden Arcade / Computer Geeks ūüėČ Bei dir scheint’s ja hervorragend geklappt zu haben. Schon cool, bin heilfroh das miterlebt zu haben.¬†

    B: Genau,¬†es war aufregend. spannend, und die Technik hatte noch keine asymetrischen Signaturen und Verschl√ľsselungen, keine Debuggererkennungsfunktionen, alles war √ľbersichtlich. Ein ICE Debugger im Prozessorsockel und schon konnte man durch das Spiel im Speicher laufen, stoppen, Ramspeicher auslesen, Spielablaufcode ver√§ndern und schauen was dann passiert…

    Nur an Dokumentationen war schwer ranzukommen. Man konnte sich zwar √ľber Firmen vom Distributor Datenb√ľcher bzw. Datenbl√§tter besorgen, daf√ľr brauchte es aber auch englisch Kenntnisse, sonst machte der Inhalt wenig Sinn ūüėČ Wenn man mal nicht mitkam, fragte man¬†„den Alten“, ein Experte eines gro√üen deutschen Technik Unternehmens, ¬†welcher meist immer eine Antworte parat hatte. Es lief viel √ľber „with a little help from my friends“..¬†

    A: Das ist in Zeiten von Internet heute einfacher geworden. Info @ a click.. Andererseits erschlägt einen aber die Informationsflut auch wieder.

    B:¬†Wei√ü nicht ob die heutige Jugend so einen Aufwand machen w√ľrde. Wenn ich mich umsehe, wollen die eher schnelle Kohle machen und Handies verzocken und wenn was nicht gleich geht, wird das Ger√§t als Ausschlachtobjekt f√ľr Display, Akku oder Tauschplatine verwendet. Keiner nimmt sich Zeit. Keiner lernt hier irgendwas dazu… Da tunt keiner mehr, da patched niemand, vom entwickeln eines Ger√§tes ganz zu schweigen…

    Beim Nokia Chipset sa√üen wir wenigstens noch vorm Stereomikroskop und l√∂teten feine Kupferlitzen an den Prozessor – Debug port an um das Handy mit einem neuen Bootloader zu beschie√üen um es danach mit einem gepatchten ARM Image f√ľr alle Netze freizuschalten…. Oder l√∂teten Flashroms aus um sie Auszulesen und schauten wo die Cryptofunktionen verankert sind … aber das interessiert ja heute niemanden.

    A: ¬†Wie wahr, wie wahr, in Zeiten von Modul bzw. Wegwerf Elektronik tut sich leider kaum wer die Arbeit an. Umso sch√∂ner find ich es bei unserem Hobby, wenn Leute ihre Zeit und ihr Wissen zur Verf√ľgung stellen und uns helfen die altehrw√ľrdige Elektronik ins neue Jahrtausend zu retten!

    Dann wollen wir uns mal bedanken f√ľr den Einblick den du uns da gegeben hast. Sowas kommt ja normalerweise nicht an die Oberfl√§che, umso dankbarer sind wir das du uns f√ľr das Interview Rede und Antwort gestanden hast!¬†

    © 2017 / Zyx Arcade